Cochlea Implants
Wenn mit hochverstärkenden Hörgeräten kein Sprachverstehen mehr erreicht wird, kommt die Versorgung mit einem Cochlear Implant (elektronische Innenohrprothese) in Frage. Voraussetzung ist die beidseitige Taubheit, wobei die Funktion des Hörnervs weitgehend erhalten sein muss (sensorische Taubheit). Bei etwa 98 Prozent der Ertaubten und Gehörlosen wäre eine Implantation möglich, da nicht der Hörnerv, sondern das Innenohr die Ursache für die Taubheit ist. Mit Cochlear Implants können Ertaubte nach einer Trainingsphase wieder ohne Lippenlesen Sprache verstehen. Versorgt wird derzeit immer nur ein Ohr.
In Deutschland gibt es inzwischen viele Zentren, die diese Operationen ausführen und ein leistungsfähiges System der Vor- und Nachsorge bieten. Es liegen auch gute Erfahrungen mit der Versorgung taub geborener und ertaubter Kinder vor. Je früher die Operation stattfindet, um so größer der Nutzen für das betroffene Kind. Die Versorgung mit einem Cochlear Implant ist bereits im ersten Lebensjahr möglich. (Quelle "FGH")
Nachfolgend wird die Funktionsweise eines Cochlea-Implantates detailliert beschrieben:
- 1. Das Mikrofon im Überträger fängt Schallwellen aus der Umgebung auf und wandelt diese in ein elektrisches Signal um.
- 2. Dieses Signal wird über ein Verbindungskabel zum Soundprozessor übertragen.
- 3. Der Soundprozessor wandelt das elektrische Signal in einen speziellen, für das Hörverständnis optimal geeigneten Code um.
- 4. Das elektrisch codierte Signal gelangt über das dünne Kabel zurück zum Überträger, der es mittels Funkwellen an das Implantat übermittelt.
- 5. Das Implantat entschlüsselt das Signal, und leitet es an die in der Cochlea sitzende Elektrodenbündel weiter.
- 6. Die Elektroden bewirken eine direkte Stimulierung der Hörnervenfasern in der Cochlea.
- 7. Die Stimulation der Nervenfasern löst elektrische Impulse aus, die zum Gehirn geleitet und von diesem als akustische Informationen interpretiert werden.
Der gesamte Prozess - vom Einfangen der Schallwellen bis zur Verarbeitung im Gehirn - läuft in Sekundenbruchteilen ab, so dass der Benutzer ein annähernd natürliches Hörerlebnis hat.
Für wen ist ein Cochlea Implant geeignet?
Grundsätzlich eignet sich ein Cochlea-Implantat für beidseitig stark bis hochgradig schwerhörige Erwachsene und Kinder über 18 Monaten, bei denen durch ein Hörgerät keine wesentliche Verbesserung erzielt wird.
Hochgradig schwerhörige Kinder unter 18 Monaten, bei denen durch ein Hörgerät keine oder nur eine geringfügige Verbesserung erzielt wird, eignen sich meistens ebenfalls für ein Cochlea-Implantat. Ausschlaggebend für die Eignung ist das hörgerätunterstützte Sprachverständnis des Patienten.
Um eindeutig feststellen zu können, dass durch eine konventionelle Verstärkung keine Verbesserung mehr erzielt werden kann, sollte der Patient vor einer Implantation eine mindestens sechs monatige Dauernutzung eines normalen Hörgerätes nachweisen. Das Vorhandensein von Hilfs- und Rehabilitationseinrichtungen für die Nachbetreuung wird bei der Voruntersuchung ebenfalls mit berücksichtigt.
